Oldenburg Stadt der Bäume

(aus einem Vortrag von S.Reimer vor dem Ausschuß für Stadtgrün) 

Oldenburg ist eine Gartenstadt.

Oldenburg ist aber auch eine Stadt der Bäume. Die Stadt hat im öffentlichen Bereich – einschließlich der Bäume in Grünanlagen 70.000 Bäume, 40.000 davon sind Straßenbäume. Bäume prägen das Straßenbild von der Stadtgrenze bis ins Zentrum.

Die Wohlfahrtswirkungen der Bäume sind vielfältig: Bäume  produzieren Sauerstoff, filtern Staub & Schadstoffe aus der Luft, die Verdunstungsleistung der Blätter sorgt für ein ange-nehmes Stadtklima, sie spenden Schatten und geben Insekten, Vögeln, Kleinsäugern Nahrung und Wohnung.   173702(2), 

Können Straßenbäume in OL diese Funktionen überall und  in vollem Umfang erfüllen? Am Beispiel Ammerländer Heerstraße möchte ich zeigen, dass Zweifel daran bestehen.  – Ich hätte auch die Hundsmühler Straße wählen können oder Abschnitte der Eichenallee, der Hauptstraße u.a. Baumreihen bzw. Alleen

Die meisten Eichen in der Ammerländer haben eine Standzeit von ca. 40 Jahren, gehören damit zu den mittelalten Bäumen. 184 952

Rechnet man noch die Anzuchtjahre in der Baumschule hinzu, kommen etwa 50 Jahre zusammen.   Normal ist eine etwas lichtere Krone als bei frei stehenden Bäumen in Parks oder Gärten, denn unsere Straßenbäume sind meistens Waldbäume, die Stadt ist kein idealer Le-bensraum.  124 934.

Von einer normalen Kronendichte ist ein großer Teil der mittelalten Straßenbäume an der Ammerländer Heerstraße weit entfernt - und nicht erst seit dem Dürrejahr 2018:
Lückige Baumkronen, viel Totholz, obwohl der offene Boden um die Bäume meistens aus-reichend groß ist.  Bilder: 145428, 142106

Eine Baumscheibe aus der Nähe betrachtet: Die humosen Bestandteile des Bodens nahezu abgeschwemmt, übrig bleiben die sterilen Sandanteile, durch ständiges Überfahren – rechts ein Autohaus - verdichtet und erheblich eingeschränkt bei der Aufnahme von Nieder-schlagswasser.  Der Standort des Baumes  am Rande der Baumscheibe ist ungünstig, das Regenwasser fließt ab. 142247

Auf der Südseite der A.H.  sieht es noch bedenklicher aus: Die Pflanzstreifen sind teilweise nur 1 m breit, ohne Vegetation und durch Befahren und Rangieren so verdichtet, dass Was-sertransport und Belüftung durch Bodenorganismen kaum noch möglich sind. Die dunklen Streifen auf der kahlen Fläche sind keine dürren Äste, sondern freigelegte Feinwurzeln. Manchmal wird beim Rangieren auch ein Baumstamm getroffen.  Sämtliche Rindenschäden liegen auf der Höhe der Stoßfänger. 143 000, 143 120

Überdies sind Bäume auf derartig schmalen Pflanzstreifen stärker dem Streusalz ausgesetzt.
Zu den üblichen Stressfaktoren für Straßenbäume: Staub, Abgase, Bodenverdichtung, Streu-salz, Hundeurin gesellt sich noch schleichende Bodenvergiftung: auf dieser Baumscheibe nahe  einer Bushaltestelle liegen  mehr als 40 Zigarettenkippen pro qm.  184 821,

Im letzten Rest der Zigarette konzentrieren sich Arsen, Blei, Cadmium, Benzol, Formalde-hyd, Nikotin, PAK. Die gelösten Schadstoffe dringen in den Boden ein, schädigen und schwächen das Bodenleben vom Regenwurm in den oberen Schichten bis zur Mykorrhiza in der Tiefe, einem  Pilzgeflecht, das mit den Baumwurzeln in Symbiose lebt. Durch den Pilz werden Nährstoffe und Mineralien des Bodens besser erschlossen, die Immunabwehr des Baumes gegen Infektionen wie z.B. Hallimasch gestärkt und die Trockenheitsresistenz er-höht. Das Immunsystem des Baumes ist abhängig von einem  gesunden, vitalen Boden.   0530_144324

Was ist zu tun?
Fehler, die vor Jahrzehnten bei der Pflanzung gemacht worden sind, können nicht rückgän-gig gemacht werden. Aber man kann den Bäumen helfen, mit den ungünstigen Bedingungen besser fertig zu werden:

Sanierung der Baumscheiben (Bodenleben aktivieren), Durchlässigkeit und Tiefgründigkeit wiederherstellen z.B. durch Bodenaustausch, Belüftung und Lockerung der Baumscheibe, mechanischer Schutz vor erneuter Verdichtung, Mäheinsätze reduzieren.  „Unkraut“ zulas-sen; Unkraut schützt den Boden!  Pflanzengesellschaften, die an diesen extremen Standorten gedeihen, wirken stabilisierend auf das Bodenleben.  Sie bilden einen schützenden Teppich, der den Boden vor Temperaturextremen, Erosion und Austrocknung schützt.  Blühpflanzen sind Nahrungsquellen für Insekten. Canon 016, IMG 1123, 182 852.

Es ist für Hummeln u.a. blütenbesuchende Insekten jedes Mal ein Schock, wenn die Baum-scheiben einer ganzen Allee auf einmal wurzelnah gemäht werden. 175 944

Addiert man die Flächen der Baumscheiben und Pflanzstreifen unter den Oldenburger Stra-ßenbäumen, dann kommen zwischen 20 bis 30 ha Grünland  - im Streubesitz  - zusammen.  Baumscheiben könnten Mikrolebensräume, ökologische Trittsteine sein. Das Potenzial wird bis jetzt nicht genutzt.

Wir brauchen eine Erweiterung des heutigen Wassermanagements.. Statt ausschließlich den Fokus auf den schnellen Abfluss des Niederschlages zu richten, sollten Vorkehrungen ge-troffen werden, das Wasser dezentral zu sammeln bzw.  versickern zu lassen, beispielsweise durch
wasserdurchlässige Straßenbeläge, Tiefbeete, Mulden, Regenrückhaltegräben wie hier die neue Fuchsbäke 115 250

An der Edewechter Landstraße, Straßenseitengräben erhalten, Rin-nen mit Einläufen anlegen, Dachwasser in Zisternen leiten.  Wasser von Verkehrsflächen ist schadstoffhaltig und muss gefiltert werden. Es ist nicht einfach… aber machbar.

Was können Bürger/innen tun?

Im Frühling sieht man immer häufiger Zwiebelblumen auf den Pflanzstreifen erblühen. Das erfreut uns Menschen, doch im Mai ist alles vorbei. Es handelt sich hier um eine kurzfristige ästhetische Aufwertung des Straßenbildes, nicht um eine ökologische. Bild: 0415_113308

Denn die Beete werden nicht nachhaltig gepflegt, die Bäume profitieren nicht und die Insek-ten auch nicht, denn Tulpen und Narzissen sind nicht die besten Pollen- und Nektarspender.

Zwei Beispiele einer überwiegend gelungenen privaten Bepflanzung:
1. Unterpflanzung mit schattenverträglichen Blühpflanzen, die nicht bepflanzten Bereiche sind mit Schredder gemulcht. Der Boden darunter ist leicht feucht, das Beet wird bewässert. Der Baum könnte vom günstigen Mikroklima profitieren.
Bild: 0606_135803

2. Baumbeet Lindenallee. Baumpflanzung Herbst 2017. In den ersten 4-5 Standjahren sollte lieber nichts gepflanzt werden, weil der junge Baum Wasser und Nährstoffe für sich allein braucht. Auf keinen Fall tiefwurzelnde, starkzehrende Pflanzen. Anspruchslose südliche Kräuter wie Katzenminze sind i.O. Aber das wichtigste ist für Jungbäume immer: Gießen, gießen, gießen!
Bild: 0606_141822

Mit diesem Appell möchte ich schließen: ermuntern Sie möglichst viele Bürgerinnen und Bürger in Ihrem Einflussbereich, sich der Straßenbäume anzunehmen.

Je mehr sich beteiligen, desto größer ist die Chance, dass Oldenburg auch trotz Klimawandels eine Stadt der Bäume bleibt.



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