Bericht unserer Südafrikareise - Übersicht

Nach Südafrika reisen ist einmal um ein Viertel der Welt. Wir haben uns schon gefragt, ob das nicht anders geht. Nun haben wir die Reise unternommen und stellen fest, nein.

Das Sprechen mit den Leuten, das Kennenlernen weiterer Personen und das Verstehen der Organisation und deren Eingebundenheit wäre per Brief oder auch mit den modernen Medien nicht in dieser Güte möglich gewesen.

Die Fortsetzung als Netzwerkarbeit wird aber durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten einfacher und persönlicher ohne nun ständig um das Viertel der Welt reisen zu müssen. (die Mitpassagiere im Flugzeug haben die Fragen übrigens garnicht erst verstanden).

Die Bereisung teilte sich in drei Abschnitte:

1. Erkundung der Situation in der Westcape Provinz (der Innovationsprovinz Südafrikas)

2. Begleitung des Schulaustausches 

3. Netzwerksarbeit in der Eastcape Provinz insbesondere in Port Elizabeth.

Einen Berichtsvortrag dazu hat es am 18. Mai 2017 im PFL in Oldenburg geben.

Unsere Ausgangslage sind auf den Seiten der Projekthistorie zu sehen.

Die Rahmenbedingungen waren und sind : 
- die Eastcape Provinz ist Partnerland Niedersachsens
- Oldenburg hat eine Klimapartnerschaft mit der Provinzhauptstadt Eastlondon
- die Schüler der Helene-Lange-Schule sind in dieser Zeit ebenfalls dort

Unseren Aufenthalt und Erfahrungen haben wir während der Reise auf Facebook dokumentiert:

https://www.facebook.com/pg/NewLightFromOldPV/  

Nun geht es aber wieder auf unserer eigenen Homepage weiter.

 

1. Abschnitt die Westkap Provinz

Die Westkap Provinz ist in Südafrika was in den USA Kalifornien ist: hier werden die Trends gesetzt. Was sich hier bewährt, erreicht auch den Rest des Landes. Die verschiedenen Landesteile der Provinz sind in vielen Vorrreiter. Das gilt für die Metropole Kapstadt besonders, aber auch für die ländlichen Gebiete. Hier sind für uns besonders die Anbaugebiete der weltweit bekannten Weine und Obstsorten von Interesse. 

Was wird hier schon gemacht? Welche Trends gibt es? Was treibt die Menschen an?

Unsere Eindrücke waren hier wie auf der ganzen Reise so vielfältig, dass wir uns projektorientiert auf den Bruchteil beschränken werden, der in Zusammenhang mit unserem Vorhaben steht.

 

 

das Weinland

Am 29. März ging bei uns der erste Abschnitt unserer Reise zu Ende.
Wir haben im Weinland erkundet, wie verbreitet der Einsatz von Solarenergie ist, was der normale oder weinerzeugende Kap-Bewohner dazu meint, wie vorhandenes genutzt und wie publik gemacht wird. 
Das Klima hier ist mit dem am Mittelmeer vergleichbar. Daher gibt es keine Heizungsanlage wie bei uns und auch kein Gasnetz. Damit ist der Stromanschluss, die einzige leitungsgebundene  Energiequelle. 
Mit Strom wird daher alles gemacht.
Der Kleinverbrauch wie bei uns, Licht, Kochen, Fernsehen und Medien ist in etwa gleich.
Warmwasser wird elektrisch bereitet. Hier kommen kleine motorlose Solaranlagen zum Einsatz. Jedoch sind diese nur auf wenigen Häusern zu sehen. Normal ist ein 100 Liter Speicher, gedämmt, aber mit hohen Verlusten. Die Wärmedämmung der Leitung ist unbekannt.
Zunehmend wird aktiv und mehr gekühlt. Mehrere Kühlkombinationen (Kühlschrank mit Eisunterteil) sind üblich. Leider nicht selten komplett vereist und damit ineffizient.
Auch die Luftkühlung (aircondition) ist weit verbreitet. Die Technik ist aber oft veraltet, nicht gewartet und damit zu viel Energie brauchend.

So verbraucht ein Privathaushalt 500 bis 800 kWh Strom, pro Monat!

Elektrisch gekühlt wird auch bei den Weinbauern. PV Anlagen haben wir nur wenige gesehen. Allerdings sind einige Weingüter in Umweltprogramme eingebunden. Die Wasserverfügbarkeit besorgt weit mehr und überstrahlt alles. 
Strom gibt es beim staatlichen Strommonopolisten für ca. 14 Euro Cent eine KiloWattStunde. PV ist daher teilweise wirtschaftlich. Doch gerade die grossen Verbraucher, die wirtschaftliche Kraft für Vorbilder hätten, bekommen niedrigere Strompreise und die betriebswirtschaftliche Betrachtung spricht gegen die PV-Technik. Inwieweit sich Effizienzmassnahmen schon verbreitet haben, konnten wir im Detail nicht sehen. Sichtbar war der laufende Austausch von alten Lampen gegen LED.

Ergebnis: da ist in allen diesen Bereichen wie in Deutschland ganz viel Luft nach oben.

von Kapstadt nach Port Elizabeth

Am 7. April war der 1.Abschnitt unserer Reise ganz abgeschlossen. 
In dessen Ende haben wir uns bei der Fahrt von Kapstadt nach Port Elizabeth das Land und besonders die Veränderungen angesehen. Trockenheit ist auch hier das Problem. 
Bewässerung wird eingesetzt, wo das möglich ist. Wo es nicht möglich ist, werden die Sorgenfalten tiefer. In einer Region regnete es an einem Tag in Strömen. Die Leute waren glücklich und wünschten sich mehr wie wir sagen Schietwetter.

Die Nutzung der Erneuerbaren Energien ist trotz des Angebotes an Sonne und Wind nur wenig zu sehen. Das liegt nicht nur an einer fehlenden Förderkulisse, sondern auch daran, dass das 
Monopolstromunternehmen nichts davon hält.
Das ist so nostalgisch und erinnert an die vielen Argumente der damaligen Strommonopolisten im  
geteilten Deutschland, die ihre Macht mit Atomstrom betonieren wollten. So erscheint es auch in diesem Land.

Auf der anderen Seite versucht die Bevölkerung schon Strom zu sparen. Hier findet man  
Energiesparlampen einfach eingesetzt, wo bei uns bis heute Stilfragen einen Einsatz verhindern.
Aber auf der anderen Seite sind auch vereiste Kühlschraenke nicht selten. 
Hier fehlt es noch ein tagtäglichen Energieeffizienzwissen, wie wir es kennen. Oder erscheint es einem nur so und es ist ein anderes Wissen.

3. Abschnitt Port Elizabeth

Im 3.Abschnitt und letzten Abschnitt unserer Reise gibt es zwei Zweige.
Die Schüler der Helene-Lange-Schule bauen und vermarkten  in ihrem Projekt Solarlampen und haben damit auch eine gute öffentliche Wahrnehmung errreicht: hier der gute Presseartikel 
www.heraldlive.co.za/…/12/pupils-initiative-pays-off/

Wir haben daneben hier Port Elizabeth unsere Kontaktpersonen getroffen und mit denen unsere Erkundungsprogramm gestartet.
Ein langes Gespräch mit einem Praktiker in der E-Anwendung brachte als Beispiel Ergebnisse, deren Nichtbeachtung zum Scheitern unseres Vorhabens führen würden und auf die wir nicht gekommen wären.
Ein Besuch an der Universität (NMMU - Nelson Mandela Metropolitan University) mit den Schülern zeigte den Stand  der Forschung zu Erneuerbaren Energien und Effizienz. Wir suchen dort nun den richtigen  Ansprechpartner. Es standen zudem noch Gespräche mit der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ) und der Verwaltung aus.

Informelle Siedlung

Hier nun der Bericht zu unserem ersten Treffen in einer "informellen Siedlung", wie die  aktuelle Bezeichnung lautet. 

Zur Erinnerung, die bei uns aus organisatorischen Gründen nicht mehr verwendbaren PV Module sollten einen neuen Einsatz finden. Dieses aus technischen Gründen bevorzugt in Inselanlagen. Wo ein Stromnetz vorhaben ist, wird die Motivation dazu gering sein. Nun ist die Situation in PE kaum mit der in deutschen Städten vergleichbar. Hier eine wohlsituierte Einfamilienhauswohnsiedlung, einen Steinwurf weiter eine "informellen Siedlung", ein Slum wie wir sagen würden. Diese nicht geplanten oder auch nur genehmigte Anhäufung von Behausungen aus Blechen und anderen Restmaterialien sind eine Realität. Dazwischen gibt es noch die sogenannten RDP Häuser, die von der Verwaltung gebauten einfachen Häusern. 

Mit den Mitarbeitern der GIZ, Herrn Breitfeld und Herrn Winges, denen wir für diesen Kontakt noch einmal danken, haben wir eine dieser Siedlungen besucht.

Dort betreibt eine Dame namens Jeanny eine Küche und kümmert sich auch um die Geschicke dieser Siedlung. In dieser Siedlung hat die GIZ bereits Solarinselsysteme zur Beleuchtung in den Hütten installiert, die nur aus PV Modul, Laderegler und Batterie bestehen.
Es gibt zwar ein Stromnetz zur Beleuchtung, aber die Verhältnisse sind komplizierter.
Jeanny berichtete uns, dass diese PV Installation für sie ein guter Schritt nach vorne sei. Das Licht sei besser für die Küchenarbeit und zum Lesen als die bisherigen Petroleumlampen, die zudem die Raumluft vergifteten.
Wir haben Details zur Beschaffung, Aufbau und Wartung besprochen. Vieles aus der Praxis war hier Gegenstand des Gesprächs.
Dabei war noch nicht sichtbar, wie unser Vorhaben in diese Strukturen und die Absichten der GIZ oder anderer loakeler Akteure hineinpasst.
Daher wollten wir uns zu einem weiteren Gespräch im Gebäude der kommunalen Energieversorgung treffen.

 

 

MunElek - das Stadtwerk der Region

Unsere Reise galt auch der Erfahrung, wie was funktioniert. Ohne diese Kenntnis werden zu viele Projekte gestartet und scheitern an dieser Unkenntnis. Das wurde uns bei dem ausführlichen Gespräch mit Herrn Breitfeld von der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) bestätigt. Zum einen gibt es unterschiedliche Ansätze das Leben der Bewohner dieser informellen Siedlungen zu verbessern, zum anderen sind diese Vorhaben selten miteinander verbunden. 
Unser Ansatz könnte deswegen scheitern, da wir ein Element hineinbringen mit dem bisher niemand geplant hätte. Die Aufgabe für uns wäre somit eine organisatorischen Einbindung in vorhandene Vorhaben und Strukturen zu erreichen. 
Die GIZ hilft in der Energieverwaltung der Metropolregion Port Elizabeth, der MunElek, mit neue Strukturen für Erneuerbare Energien und Effizienzsteigerung aufzubauen. Diese wichtige Aufgabe hat die oben beschriebenen Erfahrungen vorausgesetzt und ist nun auch einem guten Weg. 
Herr Breitfeld hat uns dazu die Lernwerkstatt für PV gezeigt, die derzeit im Entstehen ist.
Weiterhin konnte er uns anbieten sein Netzwerk von unserem Vorhaben in Kenntnis zu setzen.

Das ist für uns ein wichtiger Schritt nach vorn.

Seit dem haben wir einige wichtige Kontakt in diesem Sinne geknüpft und die Entwicklungen beobachtet. Zur Universität gibt es dabei zwei Verbindungen. Zum einen eine technische und zum anderen eine, die die Entwicklung in einem Township (eine anerkannte Armensiedlung) begleitet.

 

 

Termin beim Bürgermeister

Das Schulprojekt hat dann nach einem gewissen hin und her dann doch noch einen Termin beim Bürgermeister bekommen. Mr. Trollip nahm sich dazu viel Zeit und skizzierte die Hauptprobleme seiner Amtsführung. Dabei machte er klar, dass der Schutz der Umwelt nicht zu den Prioritäten gehören wird. Diese liegen bei der Verbesserung der wirtschaflichen Verhältnisse der ärmeren Bevölkerung.  Dieses demonstrierte er den Schülern anhand der 50% Jugendarbeitslosigkeit.
Wenn Projekte hier hilfereich seien, so sei das interessant. 
Wir konnten bei diesem Termin den Mitarbeiter des Bürgermeisters unser Vorhaben kurz vorstellen.

Kontakte

Am Ende der Reise haben wir einmal geschaut, was wir erreicht haben. Da waren einmal die Erfahrungen zu den Umständen und Einstellungen der dortigen Gesellschaften. Mehrzahl, da bei weitem nicht alle an einem Strang ziehen und aus unterschiedlichen Situationen heraus handeln. 

Wichtig war die Erkenntnis, dass mit gebrauchten PV Modulen jetzt und heute keiner etwas anfangen könnte. Interessant war die Erfahrung, dass sich Einzelpersonen und Projekte mit sehr ähnlichen Vorhaben beschäftigen. 
Hier haben wir nachgefaßt und haben so Kontakte knüpfen können, die wir von Oldenburg aus über eine Weiterverfolgung unseres Vorhabens von Seite der Nachfrage weiter befragen können. 
Das ist uns auch wichtig, da sich hier kreative Teilprojekte entwickeln können. Aber auch die Angebotsseite, also die Möglichkeit hier anfallende PV Module nach Südafrika bringen zu können, muss entwickelt werden. Das geht bekanntermaßen besser, wenn eine Nachfrage vorhaben ist.
Unsere Aufgabe ist es daher nun in Oldenburg bzw. Niedersachsen zu sehen, ob die  Angebotsseite tragfähig entwickelt werden kann. 

Resumee

Eine lange Zeit mit sehr vielen Eindrücken, die hier nur grob skizziert werden konnten, liegt hinter uns. Die Verarbeitung, die Diskussion und die Auswertung haben viel Zeit gebraucht und ist letztlich noch nicht abgeschlossen. Das gilt für unsere Gruppe hier in Oldenburg und bei den in Südafrika gefundenen Partnern.
Am Donnerstag, den 18.5.2017 haben wir einen Vortrag zu unserer Reise gehaltn.

Viele Interessierte fanden, dass ein Weitermachen sinnvoll sei. Selber sich einzubringen, insbesondere auf dem erforderlichen hohem Niveau, konnten sich hingegen nur wenige vorstellen.

 

 

 



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