Verwendung von Torf 20.05.2013

Unsere BUND Anfrage
Antwort der Verwaltung
Unsere Bewertung

Sehr geehrte Damen und Herren im Rat der Stadt Oldenburg,
sehr geehrte Mitarbeiter der Verwaltung,
wie Ihnen sicher bekannt ist, sind in den letzten Monaten im Umland von Oldenburg die Diskussionen über den Umgang mit den Mooren intensiviert worden.

Die Erhaltung von Mooren ist aus Sicht des Arten-, des Landschafts- und des Klimaschutzes, denn Moore sind große CO2 Speicher, eine wichtige Aufgabe.
Da Moore vor allem aufgrund der Torfverwertung abgetragen werden, muss es das Ziel sein diese Verwertung zu mindern bzw. zu stoppen.
Somit stellt sich uns die Frage, wie es in der grünen Garten- und Kleingartenstadt Oldenburg um die Torfnutzung bestellt ist?

Hierzu unsere Anfrage an die Verwaltung:

Ø Wie viel Torf verwenden die städtischen Dienste und Eigenbetriebe in Oldenburg?

Ø Welche Alternativen zur Torfverwendung bestehen?

Ø Wenn auf Torf verzichtet wird, entstehen Mehrkosten?

Ø Gibt es Nachteile bei torffreier Betriebsweise?

Ø Sind Erkenntnisse vorhanden wie viel Torf von privater Seite im Stadtgebiet verkauft und verwendet werden?

Ø Sind Erkenntnisse vorhanden wie der Oldenburger Bürger mit der Thematik umgeht?

Ø Dito zu den Oldenburger Gartenbaubetrieben?

Ø Stehen Alternativen zur Torfverwendung allen Nutzern offen?

Antwort der Verwaltung 31.05.2013

Naturnahe Moore sind natürliche Kohlenstoffspeicher und binden langfristig pro Hektar mehr Kohlenstoff als Tropenwälder. Durch das in funktionsfähigen Mooren vorherrschende nass-saure Milieu findet ein Abbau von abgestorbenem Pflanzenmaterial beinahe nicht statt und es bildet sich Torf.
Die besondere Bedeutung der Moore für das Klima besteht in der Bindung von Kohlenstoff. Intakte, noch wachsende Moore binden auf diese Weise 250 bis 350 kg Kohlenstoff pro Hektar im Jahr. Durch die Kultivierung der Moore in Deutschland wurde insbesondere in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts der Torf in den oberen Schichten entwässert. Um ihre Speicherfunktion erfüllen zu können, benötigen Moore und Moorböden jedoch ganzjäh-rig einen hohen Wasserstand. Durch sinkende Grundwasserstände sowie die teilweise stattfindende Bodenbearbeitung oder den Torfabbau gelangt Sauerstoff an den im Torf ge-speicherten Kohlenstoff, der durch mikrobielle Prozesse zu CO2 abgebaut wird. Hauptursa-che sinkender Wasserstände ist die Trockenlegung der Flächen zur land- und forstwirt-schaftlichen Nutzung.
Aufgrund seiner relativ konstanten physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften und durch seine bislang gute Verfügbarkeit wird Torf traditionell im Hobby- und Erwerbsgartenbau zum einen als Kultursubstrat und zum anderen zur Bodenverbesserung eingesetzt. Dabei wird Torf durch die Zugabe von Dünger, Kalk sowie ggf. ergänzenden Zuschlagsstoffen auf die entsprechende gärtnerische Kultur eingestellt. Im Erwerbsgarten-bau spricht man dann von Kultursubstraten, während im Hobbybereich die Produkte als Blumenerde bezeichnet werden.
Von den derzeit in Deutschland produzierten torfhaltigen Substraten werden überschlägig etwa 60 Prozent im gewerblichen Bereich verwendet. Davon finden rund 92 Prozent An-wendung im professionellen Erwerbsgartenbau (Gemüse-, Blumen- und Zierpflanzen) und etwa 8 Prozent in der Baumschulwirtschaft. Zur Bodenverbesserung bei Pflanzmaßnahmen oder zum Mulchen von Pflanzflächen werden heute bereits überwiegend Ersatzstoffe ein-gesetzt, sodass im kommunalen Bereich die Verwendung von Torf selten (beispielsweise bei der Anlage von Rhododendronpflanzungen, die an einen sauren, sehr humosen Standort gebunden sind) ist.

Dieses vorausgeschickt wird zusammenfassend zum Fragenkatalog Stellung genommen:
Zur Bodenvorbereitung und Herstellung von Substraten für vegetationstechnische Zwecke werden von Seiten der Stadt keine torfhaltigen Produkte verwendet. In der Regel ist die zu-sätzlich Zufuhr von Humus bei den hier anstehenden Böden nicht erforderlich. Im Bedarfs-fall wird auf Eigenkompost oder andere Ersatzprodukte zurückgegriffen. Ziel der Humuszu-fuhr ist die Verbesserung der bodenphysikalischen Eigenschaften (Luft- und Wasserhaus-halt, Nährstoffspeicherung). Des Weiteren wurde Torfmull in der Vergangenheit (siebziger und achtziger Jahre) zum Mulchen von Vegetationsflächen verwendet. Auch hier werden heute andere Produkte (Rindenmulch, Pinienrinde, Holzhackschnitzel u. a.) eingesetzt. Substrate zur Pflanzenanzucht werden von städtischer Seite nicht benötigt. Durch den Ver-zicht auf Torfprodukte entstehen im städtischen Bereich keine Mehrkosten, wobei in vielen Fällen ein Einsatz auch nicht notwendig ist.
Erkenntnisse, wie von privater und gewerblicher Seite mit der Verwendung von Torf bzw. torfhaltigen Produkten umgegangen wird, liegen hier nicht vor und es ist auch nicht bekannt, wie die vorab genannten Gruppen mit der Torf- bzw. CO²-Problematik umgehen. Es gibt mittlerweile auch torffreie Produkte, die bodenverbessernde Eigenschaften haben. Insbe-sondere die Entsorgungskonzerne bieten über den Handel gütegesicherte Produkte für den privaten Bereich und den Garten- und Landschaftsbau an. Bislang sind die Mengen an Er-satzsubstraten insgesamt aber bei weitem noch nicht ausreichend, um den gesamten Be-darf an Kultursubstraten decken zu können. Jährlich werden in Deutschland etwa 5 bis 6 Mio. cbm Torf abgebaut, genutzt und teilweise exportiert. Ebenso wird Torf importiert. Der größere Anteil des Torfs (4,6 Mio. m³) wird im Erwerbsgartenbau verwendet. Im Hobbygar-tenbau werden etwa 2,5 Mio. m³ verarbeitet. Grundsätzlich ist hierbei jedoch zu berücksich-tigen, dass die städtischen Verhältnisse und Ansprüche nicht mit dem Erwerbsgartenbau vergleichbar sind. Über die speziellen Anforderungen an die Kultursubstrate sowie an die Torfersatzstoffe, beispielsweise im Gemüseanbau, können von hier keine Aussagen getroffen werden.

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unsere Vertreter im Ausschuß

für Natur- und allg. Umweltschutz:
Frau Renate Heim
( Dipl.Biologin und Dipl. Landschaftsplanerin)  

für Energie, Klima und technischem Umweltschutz:
Herr Thomas Myslik
(Dipl.Ingenieur und Dipl.Pädagoge) )

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