Warum eigentlich Torf?

„Dem ersten sein Tod, dem zweiten seine Not, dem dritten sein karges Brot“, das ist einer der be-kanntesten Hinweise zum Gärtnern mit Torf, wie wir ihn schon in der Schule gelernt haben. In der Besiedlungsgeschichte der Region, die vormals fast nur aus Mooren bestand, spielte die Kultivie-rung des nährstoffarmen Torfbodens eine zentrale und eine ärmliche Rolle. Wie neidisch wurde auf die reichen Marschbauern mit ihren fetten Wiesen gesehen. Aber man hatte ja nichts anderes. Daher wurde Torf auch zum mühsamen Heizen und zur Wärmedämmung verwandt. Das änderte sich in den 1950er Jahren, denn nun kamen Steinkohle, Heizöl und dann sogar Erdgas als bessere und bequemere Brennstoffe zum Zuge. Hier beginnt die Geschichte des Torfes im Gartenbau. So schlecht Torf auch sein mag, so ist er zusammen mit Kunstdünger, industriellen Anbaumethoden und einem von einem globalisierten Markt diktierten Preisdruck zum unverzichtbaren Substrat im Erwerbsgartenbau geworden. Und was die Profis machen, soll dem Hobbygärtner nicht schaden. So wurde jedenfalls früher gedacht. Torf ist der Beton des Gartenbaus: großer Aufwand am Anfang und dann kann man alles machen.

Natur statt Beton

Doch es gibt eine Gegenbewegung und gute Gründe dafür. Torfverwendung im privaten Garten sollte nicht sein, das sagen fast alle Gartenbaubetriebe. Auch ist die industrielle Arbeitsverdichtung im Hort der heimischen Erholung Fehl am Platz, die Allmacht der chemischen Industrie darf nicht das Ziel sein. Dazu ist inzwischen unser Bewusstsein für Umwelt Natur gewachsen. Der Bund für Natur und Umwelt Deutschland, kurz BUND, hat bundesweit fast eine halbe Million Mitglieder und denen ist der Torfabbau ein Graus. Letzte Moore werden so ihrer Funktion für Landschaft und Ar-tenschutz nicht mehr gerecht. Sogenannte Renaturísierungen sind nur ein Trostpflaster für ein zerstörtes Biotop. Moore speichern weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder und ein Ende der Moorzerstörung in Niedersachsen würde so viel CO2 einsparen wie der gesamte Straßenverkehr. In Zeiten des drohenden Klimawandels ein wichtiger Aspekt, denn Klimaschutz kann so im Garten anfangen. 

Torffreies Gärtnern – geht das?

Doch kann es ein Gärtnern ohne Torf denn geben? Seit drei Generationen kennen wir den einfa-chen Griff zur Tüte mit Blumenerde, die alles werden lässt. Wie Beton eben. 
Im Privatgarten ist die Abkehr davon mit einer Freude am natürlichen Werden der Dinge verbun-den. Zwar ist Gärtnern immer eine Lenkung der Natur, aber Leben von Pflanzen, Tieren und Mik-roorganismen im Kleinen und die Gestaltung im Grossen können harmonieren.

Ein wenig Bodenkenntnis hilft

Wenn es um eine naturverträgliche Gartengestaltung gehen soll, ist es am Anfang wichtig zu sehen, was denn da ist. Die meisten Gartenböden unserer Region weisen ohnehin einen ph-Wert von etwa 5 bis 6 auf, d.h. von "sauer" bis "schwach sauer". Erst 7 ist neutral. Freunde der Moorbeetpflanzen können hier auch ohne Torfzugabe Erfolge erzielen. Den Säurewert des Bodens kann man selbst als Laie leicht mit einem ph-Bodentester aus dem Gartenmarkt eigenständig messen. Wichtiger als ein ph-Wert ist da der geeignete Standort und eine gute Wasserversorgung.
Für Rhododendron & Co gibt es zudem seit Jahren Neuzüchtungen, die in fast jedem Boden ge-deihen. Wer allerdings auf Lehm-oder -Tonboden gärtnert, dem raten wir, auf Moorbeetpflanzen zu verzichten. Das gibt dann Gartenfrust statt Gartenlust. Die meisten anderen Pflanzen gedeihen dafür umso besser. Es ist erfreulicher, mit dem vorhandenen Boden zu gärtnern, als gegen ihn. Und hier heißt es den Zustand des Bodens zu erkennen und dann mit kleinen Zugaben die idealen Bedingungen für die Pflanzen zu schaffen, statt die Torfberge mit Kunstdünger säckeweise in den Garten zu kippen. Das ist in der Tat eine andere Herangehensweise.

Alte Kultivierungstechniken neu entdeckt

Das Thema "Torffrei gärtnern" wird gerade für den Hobbygärtner neu entdeckt. Die Experten des Gar-ten- und Landschaftsbau wissen das seit jeher. Aber drei Generationen mit recht unkritischem Fort-schrittsglauben durch die Gartenchemie haben das naturnahe Gärtnern zum Nischenthema werden lassen. Ein Umsteuern ist auch eine Chance für den die Gartenindustrie, die diese zunehmend ergreift. So wächst die Liste des „BUND-Einkaufsführer für torffreie Erden“ (https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/bund-einkaufsfuehrer-fuer-torffreie-erden/ ) von Jahr zu Jahr. Und Kampagnen wie www.torffreileben.de vom BUND Oldenburg finden reges Interesse. Gerade die Erkenntnis, dass ein Garten wie die Natur nicht jährlich eine Grunderneuerung, sondern nur eine gezielte Auffrischung braucht, lassen alte Kultivierungstechniken wie Mulchen oder Kompostieren wie-der mehr ins Blickfeld geraten.
Bei eigener Kompostwirtschaft sollte sich im Laufe der Jahre sogar ein Überschuss an Gartenerde entwickeln , denn zu den Abfällen aus dem Garten kommen die Reste gekaufter Obst- und Gemü-searten, Kaffee/Teereste, die Ballen gekaufter Gemüse- und Zierpflanzen, , das verwehte Laub der Bäume. Da bedarf es nur noch weniger Hilfsstoffe für einen Kompost, der das Kraftfutter für einen sprießenden Garten ist. Wem der eigene Kompost doch zu aufwendig ist, wird bei den meisten Abfallwirtschaftsbetrieben zertifizierten Qualitätskompost aus der Region zu sehr günstigen Preisen mit genauer Angabe der Herkunft und der Inhaltsstoffe erhalten.

Wer weiss Was?

Wem dieses Gärtnern noch zu fremd ist, wird bei Nachfragen im Gartenhandel einen Sinneswandel erleben, der jedoch nur durch Nachfrage vergrößert werden wird. Bei der Beratung über den Gartenzaum mit dem Nachbarn kann jeder sich aussuchen, was er aufnimmt und weitergíbt.
Bei diesem Thema wie allen anderen auch hilft das Internet weiter. Hier ist allerdings auf die Markt- und Medienmacht der Torfvermarkter zu achten, die selbstverständlich weitermachen wollen. Ebenso ist der BUND hier wie auch Vor Ort für Bürger mit Rat und manchmal sogar mit Tat vertreten.



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